„Smuuslim Welcome“ – Schmeckt’s Ihnen, Mr. Trump?
Ein Interview

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Was hat die Einreisepolitik des amerikanischen Präsidenten mit Fruchtaufstrich zu tun? Auf den ersten Blick erstmal nichts, wenn man die kreativen Köpfe hinter der Hamburger Agentur Mayd fragt, eine ganze Menge.

Die Gründer und Geschäftsführer der Agentur haben nämlich nicht nur einen eigenen Fruchtaufstrich auf den Markt gebracht, sondern liefern die passende Kampagne für das Produkt gleich mit. Unter dem Slogan „Smuuslim Welcome“ vermarkten die Geschwister Bahador und Behnaz Pakravesh ihren eigens kreierten Smoothie fürs Brot, aka SMUUS. Mit dieser Kampagne sind Mayd uns dann auch für unsere Serie #HQLikes aufgefallen, in der wir regelmäßig Werbung vorstellen, die uns gefällt.

 

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Sechs (bald sieben) Sorten SMUUS stehen aktuell in ausgewählten Filialen und Online zum Verkauf bereit. Beworben werden die Produkte mit Slogans, wie „SMUUS verhängt Einreiseverbot für sieben Zutaten“ oder „Stimmt, Mr. Präsident, Erdbeerwärmung gibt es nicht.“. Mit der neusten Sorte will die Agentur sogar zur Amtsenthebung Trumps beitragen.

Im Gespräch mit HQLabs spricht Bahador Pakravesh über den Entstehungsprozess der provokativen Kampagne, Reaktionen und den neusten Clou: Die siebten Sorte SMUUS, die sich aktiv gegen Donald Trump wendet.

 

Anna, HQLabs: „Wie seid ihr auf die Idee gekommen, Fruchtaufstrich und die Politik der aktuellen US-Regierung zusammen zu bringen? Bzw. was ist die Verbindung zwischen den beiden Themen?“

Bahador, Mayd Hamburg: „SMUUS ist nicht nur in der Zusammensetzung (Frucht, Gemüse, Gewürze) vielfältig und einmalig, sondern auch in den Anwendungsbereichen. Ob in den Joghurt oder Cocktail gerührt, zum Käse oder Fleisch, als Eis, Dressing und und und. Vor allem ist SMUUS aber eines: Offen. Offen für Experimente, für das Neue, für die Vielfalt. Also das genaue Gegenteil zu dem, wofür die aktuelle US-Regierung steht. Deshalb konnten wir gar nicht anders, als dies zum Kern unserer jetzigen Kommunikation zu machen.“

Anna: „Du hast die Agentur zusammen mit deiner Schwester gegründet. Ihr habt iranische Wurzeln und beide eine doppelte Staatsbürgerschaft. Damit seid ihr selbst von der Einreisepolitik Trumps betroffen. In wie fern hat sich das auf die Kampagne ausgewirkt?“

Bahador: „Wir sind in Deutschland groß geworden und durch und durch stolze Hamburger. Wir identifizieren uns mit dem Land, aber werden niemals unsere Wurzeln vergessen. Dennoch ist hier ganz klar zu sagen, dass die SMUUS Kampagne kein persönliches Statement von uns ist. Es geht nicht um einen Punkt, von dem wir jetzt betroffen sind, sondern die komplette Ausrichtung und Haltung, die einfach nicht stimmt und unter der Millionen von Menschen leiden. Es ist sowieso kaum zu glauben, dass es so etwas überhaupt gibt. Wir haben schließlich 2017!“

 

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Anna: „Auf dem Markt gibt es schon so viele Fruchtaufstriche. Was hebt SMUUS von den Mitbewerbern ab?“

Bahador: „Alles. Vor allem weil SMUUS kein Fruchtaufstrich ist. SMUUS ist nach unserer Überzeugung einzigartig. Zumindest bis vor kurzem, denn die ersten Großkonzerne kopieren uns bereits. Neuerdings gibt es auch schon die erste Handelsmarke, die SMUUS nachahmt. Dies ist nicht nur erschreckend, weil wir erst seit kurzem auf dem Markt sind, sondern zeugt auch von schlechtem Stil: Vor allem, weil Großkonzerne nicht selbst mutig und innovativ vorangehen, sondern sich bei Start-Ups bedienen und diese dann auch noch versuchen, aus dem Markt zu drängen. Doch das ist ein anderes Thema. Wir haben 3 Jahre lang SMUUS entwickelt, um eben keine herkömmliche, langweilige und vor allem uninspirierende „Marmelade“ zu sein. Die will heutzutage auch keiner mehr haben. SMUUS ist nach unserer Kenntnis das erste Unternehmen, das zur gelernten Fruchtkomponente auch Gemüse und Gewürze gemischt hat und wir sind auch in unseren Anwendungsbereichen viel vielseitiger. Ich zumindest kenne kein Produkt, das sich sowohl in Cocktails, in Joghurt, zu Fleisch, Käse, als Eis oder Dressing nutzen lässt und dabei auch noch super lecker schmeckt.“

Anna: „Wie kommt das Produkt auf dem Markt an? Und welche Reaktionen habt ihr auf die „SMUUSlim Welcome“-Kampagne erhalten?“

Bahador: „Wir können die großartige Entwicklung von SMUUS beinahe selbst nicht fassen. Man muss sich einmal vor Augen führen, dass wir erst im Oktober 2016 einen Testmarkt (Drei Märkte) bei EDEKA Niemerszein gestartet haben und dabei so gut wie kein Budget hatten. Dennoch ist SMUUS schon vielen ein Begriff. Wir sind derzeit in über 100 Geschäften und auch digital auf z.B. Amazon, Lieferello oder Foodist erhältlich. Zudem führen wir derzeit diverse Gespräche mit Kooperationspartnern und die ersten Anfragen aus dem Ausland sind ebenfalls schon eingetroffen. Was uns sehr freut ist aber vor allem, dass SMUUS im Markt richtig verstanden wurde. Wir bekommen diverse Rückmeldungen und Fotos von Menschen, die SMUUS in völlig neuer Kombination essen. Genau diese Experimentierfreudigkeit wollten wir mit unserem Produkt fördern.

Zu unserer Kampagne: Wir haben und bekommen beinahe ausschließlich positives Feedback. Ich glaube das hängt vor allem damit zusammen, dass SMUUS nicht mit dem Finger auf politische Missstände zeigt, sondern vielmehr erzählt wofür es selbst einsteht. Und das ist im Grunde nichts anderes als die Grundwerte einer jeden Demokratie.“

Anna: „Aktuelle politische Diskurse aufzugreifen und für Werbezwecken zu verwenden, ist derzeit eine beliebte Strategie. Schadet es deiner Meinung nach der Glaubwürdigkeit von Werbeagenturen sich politisch zu positionieren?“

Bahador: „Ja und Nein. Man kann das nicht pauschalisieren. Was Marketing und Werbung angeht sind Behnaz und ich schon sehr lange dabei. Und eines ist klar: Menschen lassen sich nicht gerne für dumm verkaufen. Im Gegenteil – versucht man sie offensichtlich hinters Licht zu führen, muss man auch das Echo in Kauf nehmen. Vor allem im digitalen Zeitalter geht das heute schneller denn je. In erster Linie geht es um Authentizität. Wenn irgendeine Marke, die vorher offensichtlich nie politisch Stellung zu einem Thema bezogen hat, jetzt auf den Zug aufspringt, weil dieser gerade im „Trend“ liegt, dann sollte man lieber die Finger davon lassen. SMUUS ist ein sehr ehrliches Produkt. Wir haben keine Zusatzstoffe oder ähnliches. Wir produzieren sehr teuer, weil wir nur die besten Rohstoffe verwenden. Wir haben eine Geschichte und stehen für etwas ein. Ich glaube, das kauft uns jeder ab und deshalb findet unsere Kampagne auch so viel Zuspruch.“

Anna: „Greifen andere Kunden auch gern auf solche Themen zurück oder haben sie eher Angst davor?“

Bahador: „Man muss generell sagen, dass nur die wenigsten Kunden in dieser Hinsicht „mutig“ sind. Aber das finden wir auch sehr gut so. Es muss ganz einfach zur Marke passen. Eine Marke will zwar auch in erster Linie eine „Wahl“ gewinnen, nämlich dass man sie kauft, aber dafür muss man nicht politische Inhalte nutzen. Es muss auch generell differenziert werden wann man ein solches Thema nutzen möchte. Freiheit, Toleranz, Vielfalt usw. sind alles Meta-Themen. Die kann man, wenn es ehrlich gemeint ist, für die Markenhaltung nutzen. Für eine reine Produkt- oder Abverkaufskampagne ist es aber völlig ungeeignet.“

Anna: „Wo holt ihr euch Inspirationen für eure Kampagnen, wenn Trump grad keinen blöden Spruch parat hat?“

Bahador: „Es geht ja bei Kampagnenentwicklung nie darum etwas thematisch aufzugreifen, was vielleicht gerade in aller Munde liegt oder Trend ist, sondern vielmehr arbeitet man immer aus einem Insight heraus. Uns inspiriert die Aufgabe selbst. Was können wir Wahres über unser Produkt oder dessen Haltung aussagen, was würde uns selbst als Menschen eine Emotion entlocken. Von da an geht der kreative Wahnsinn eigentlich recht schnell los.“

 

Smuus for impeachment

 

Anna: „Mit eurem neusten Produkt wollt ihr, zumindest zum Teil, zur Amtsenthebung Trumps beitragen. Was genau ist geplant?“

Bahador: „Nachdem bereits diverse Motive die Tweets des amerikanischen Präsidenten thematisch aufgegriffen haben, krönen wir jetzt unsere Kampagne mit einer letzten Aktion: SMUUS „IMPEACHMENT“. Wir möchten unsere nächste Sorte, in der sich passenderweise Pfirsich (englisch Peach), Kürbis und Safran befindet, thematisch einbinden. SMUUS IMPEACHMENT soll das erste Produkt werden, dass sich aktiv gegen Donald Trump wendet – 10% der Erlöse aus dieser Sorte werden nämlich an NGOs gespendet, die sich gegen die Politik Donald Trumps einsetzen. Für die Finanzierung gehen wir dabei als junges Start-Up auch neue Wege. Das Projekt ist auf der Crowdfounding-Seite Kickstarter eingestellt.

https://www.kickstarter.com/projects/smuus/smuus-impeachment

Sollte der Mindestbetrag von 10.000€, der für die Herstellung nötig ist, erreicht werden, wird SMUUS IMPEACHMENT auf den Markt gebracht.  Also alle fleißig Spenden. Ist schließlich für eine gute Sache.“

Falls ihr Lust auf noch mehr interessante Werbung habt, schaut einmal in unserer Serie #HQLikes vorbei, in der wir regelmäßig Werbung vorstellen, die uns gut gefällt.


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