Blick hinter die Kulissen: So arbeitet ein dezentrales Team

Das Gründerduo von Leankoala stand uns bereits für ein ausführliches Interview zur Verfügung. Heute meldet sich das gesamte Team zu Wort und spricht mit uns über die Vorteile und Herausforderungen von Remote Work. Denn neben all der Theorie interessiert uns vor allem, wie Unternehmen Formen von New Work in der Praxis umsetzen.

 

Als Team arbeitet ihr größtenteils dezentral. Wie kam es dazu und was sind eurer Meinung nach die größten Vorteile des Remote Workings?

Nils: Für uns war dieses Setup relativ einfach gefunden, da wir ein komplett digitales Produkt haben und wenig physischen Raum brauchen. Und da Leankoala eben auch den schlanken Einsatz von Ressourcen und ein Umdenken bei etablierten Herangehensweisen verlangt bzw. ermöglicht, ist unser Anspruch an die Zusammenarbeit im Team die logische Konsequenz daraus.

Martina: Da ich als Freelancerin arbeite, hatte ich schon vor der Zusammenarbeit mit Leankoala entschieden, für eine Weile reisen zu gehen und das digitale Nomadentum einmal selbst auszuprobieren. Da hatten Steffie und Nils dann gar keine andere Wahl. 🙂 Aber im Ernst, am Einfachsten kommt man natürlich zu solch einem Modell, wenn wie bei uns alle bereits sehr flexibel und eigenverantwortlich oder eben selbständig gearbeitet haben. Da werden gleich zu Beginn ganz andere Settings vorgenommen.

Steffie: Ein Vorteil ist definitiv, dass Unternehmen sich Menschen nach Qualifikation und Motivation und nicht nach räumlicher Verfügbarkeit aussuchen können. Aktuell ist nur Martina dauerhaft unterwegs, aber wir haben keinen festen Ort, an dem alle ständig anwesend sind. Was aber nicht bedeutet, dass wir uns nie sehen oder gar kein Büro haben. Der Hamburger Teil des Teams hat mit anderen Projekten, Familie und Privatleben ebenso viel Bedarf an Flexibilität wie die Reisenden.

Ein Vorteil ist definitiv, dass Unternehmen sich Menschen nach Qualifikation und Motivation und nicht nach räumlicher Verfügbarkeit aussuchen können.

Tim: Ganz klarer Vorteil: Die Work-Family-Balance. Remote Working ermöglicht es mir als Koala-Papa, mich im gleichen Maße um unsere zwei Töchter zu kümmern wie meine Frau.

 

 

Vielleicht könnt ihr beispielhaft den Arbeitsalltag eines Digitalen Nomaden skizzieren? Wie unterscheidet sich dezentrale Arbeit vom klassischen Modell? Arbeitet man trotzdem 8 Stunden am Stück oder nutzt man die Flexibilität tatsächlich aus?

Nils: Auf jeden Fall nutzen wir jeder unsere Flexibilität schon sehr gut aus, da wir eben Selbstorganisation und Vertrauen als Kern der Zusammenarbeit leben. Und unser wichtigster Anspruch sowohl an das Produkt und die Zusammenarbeit ist ja auch “koality time”, also die Zeit für die wirklich wichtigen Dinge dank Leankoala. Das gilt für die Zeit, die unsere Nutzer durch die Reduktion ihrer Aufwände für ihre Produkte oder ihren Feierabend haben als auch für die Art, wie wir jeder unser Privatleben und die Arbeit organisieren. Mit Pragmatismus und gleichzeitig richtig Lust auf das Projekt Leankoala bekommen wir uns für die kurze Zeit, in der wir zusammen arbeiten, sehr gut organisiert.

Steffie: Dass wirklich acht Stunden am Stück produktiv gearbeitet wird ist eine ziemlich hartnäckige Fehleinschätzung in den meisten Büros. Unser flexibles Modell erlaubt eben dann zu arbeiten, wenn man produktiv sein kann und nicht, wenn vertraglich bestimmte Arbeits- und Anwesenheitszeit angesagt ist.

Dass wirklich acht Stunden am Stück produktiv gearbeitet wird ist eine ziemlich hartnäckige Fehleinschätzung in den meisten Büros.

Martina: Wenn man flexibel arbeitet, gibt es keinen Grund am Schreibtisch kleben zu bleiben um Stunden voll zu machen. Mein Alltag ist davon bestimmt, belastbare WLANs und Arbeitsumgebungen in Form von Co-Working Spaces oder Cafés zu finden. Diesen Aufwand habe ich auch zu Beginn unterschätzt, man geht eben nicht jeden Tag in sein gewohntes Büro und braucht etwas länger bis man tatsächlich produktiv ist. Dafür lernt man auch neue Orte und Leute kennen und kann die Freizeit nicht nur für’s Fitnessstudio, sondern für’s Reisen nutzen. Und einige Klischees stimmen tatsächlich, ich sitze oft im Strandoutfit oder Schlafanzug vor dem Rechner oder gehe nach Terminen mit Hamburg erst einmal im Meer schwimmen oder in einer neuen Stadt frühstücken, das ist für mich schon purer Luxus. Insgesamt verbringen dezentrale Teams deutlich mehr Zeit am Rechner und weniger in Meetings, das hat sicherlich wie alles Vor- und Nachteile.

Mein Alltag ist davon bestimmt, belastbare WLANs und Arbeitsumgebungen in Form von Co-Working Spaces oder Cafés zu finden. Diesen Aufwand habe ich auch zu Beginn unterschätzt, man geht eben nicht jeden Tag in sein gewohntes Büro und braucht etwas länger bis man tatsächlich produktiv ist.

Tim: Das sehe ich auch so mit den Meetings. Nur dass ich eben die gewonnene Zeit nicht zum Reisen, sondern zum Windeln Wechseln verwende 🙂 Die Flexibilität nutze ich aber auf jeden Fall, wenn ich morgens arbeite, dann die Kinder ab hole und dann noch mal weiterarbeiten kann.

 

 

Es gibt sicherlich auch Schattenseiten, wenn selten alle Mitarbeiter an einem zentralen Ort versammelt sind. Welches sind die größten Herausforderungen auf die ihr bislang gestoßen seid?

Nils: Allein durch unser gemeinsames Zuhause findet natürlich schon viel persönlicher Austausch statt. 🙂 Klar, manche Dinge sind einfach schneller mal eben persönlich besprochen als im Slack-Channel oder per Mail oder Hangout diskutiert. Das berühmte und immer wieder als Einwand gegen dezentrales Arbeiten ins Feld geführte “Wasserspender-Gespräch” ist schon ein wichtiger Teil der Zusammenarbeit, aber eben auch nicht unersetzbar. Eine Herausforderung besteht sicherlich auch darin, die persönliche Kommunikation aufrecht zu erhalten und nicht alles nur schriftlich zu klären und sich regelmäßig live zu sehen und zu hören.

Das berühmte und immer wieder als Einwand gegen dezentrales Arbeiten ins Feld geführte “Wasserspender-Gespräch” ist schon ein wichtiger Teil der Zusammenarbeit, aber eben auch nicht unersetzbar.

Steffie: Unsere größte Herausforderung liegt aktuell vor allem in der Koordination von Terminen, da wir durch Zeitverschiebung, familiäre Verpflichtungen und teilweise andere Projekte und Reisen nur wenige Zeitfenster im Kalender haben, wo alle wach und im Leankoala-Einsatz sind. Da ist dann immer etwas Improvisation und auch Entgegenkommen von allen Seiten gefragt.

Unsere größte Herausforderung liegt aktuell vor allem in der Koordination von Terminen.

Martina: Für mich ist vor allem das frühe Aufstehen für Meetings mit Deutschland eine Herausforderung, da ich sechs bis neun Stunden zurück liege. Aber wenn man dafür Reisen und Arbeiten verbinden kann, ist das auch eine Challenge, die leicht zu überwinden ist. 🙂

 

Als Unternehmen mit einem klassischen Arbeitsmodell wird man sich vermutlich nicht von heute auf morgen dazu entscheiden komplett auf ein Remote-Modell umzusteigen. Dazu müssen die Prozesse angepasst und das nötige Toolstack aufgesetzt werden. Welche Tools könnt ihr aus eigener Erfahrung empfehlen? Welche Erfahrungen könnt ihr generell an all diejenigen weitergeben, die auch remote arbeiten wollen?

Martina: Je nach Art der Agentur sind viele Tools zum digitalen Arbeiten oft schon vorhanden, sie werden nur noch nicht konsequent dafür eingesetzt. Aber natürlich ist es für uns als kleines und unabhängiges Team einfacher, das für uns beste Toolset aufzusetzen.

Nils: Wir machen sehr gute Erfahrungen mit Slack, Jira und der Google Suite, was die Kommunikation und das Projektmanagement angeht. Aber auch der Erfolg jedes Tools hängt von Einstellung und Art der Nutzung des Teams ab und wir grooven uns auch jeden Tag weiter rein in die digitale Zusammenarbeit.

Steffie: Und jeder sollte sich darauf einstellen, dass es zu Reibungen, Missverständnissen oder Frustration kommen kann. Wichtigster Start ins dezentrale flexible Arbeiten ist sicherlich Vertrauen und Offenheit für Ruckeleien und eine entsprechende Fähigkeit in der Organisation, das auch zu kommunizieren und zu leben.

Wir machen sehr gute Erfahrungen mit Slack, Jira und der Google Suite, was die Kommunikation und das Projektmanagement angeht.

 

 

Gerade bei kleineren Unternehmen, wie z.B. Agenturen, lässt sich das Modell Remote Work relativ einfach umsetzen. Könntet ihr euch vorstellen, dass Agenturen irgendwann gar keine Büros mehr haben?

Martina: Da Räume zum Arbeiten und Wohnen in Städten immer teurer werden, dürften die Büros vor allem kleiner werden und eine andere Funktion einnehmen. Menschen bleiben weiterhin soziale Wesen, die den persönlichen Kontakt suchen. Büroräume werden aber in Zukunft hoffentlich viel zweckgerichteter genutzt für Meetings, gemeinsames Essen oder intensive Phasen der direkten persönlichen Zusammenarbeit und nicht als “Fabrik” wie heute der Fall.

Nils: Komplett ohne Büro auskommen zu wollen, halte ich auch nicht für optimal. Der steigende Bedarf an Co-Working Spaces zeigt eben auch, dass Orte des Austausches und Zusammenarbeit nicht aussterben werden, aber das klassische Büro nicht mehr gefragt ist.

Komplett ohne Büro auskommen zu wollen, halte ich auch nicht für optimal.

Tim: Ich kann mir aber schon vorstellen, dass Agenturen irgendwann gar keine Büros mehr haben, sondern nur noch virtuell sind. Gerade dadurch, dass immer mehr hochspezialisierte Fachkräfte nicht mehr ortsgebunden sind, wird es ja sinnvoll, dass die Agentur virtuell alle zusammenschließt.

 

Über Leankoala

Hochqualitative Webanwendungen sind der Wunsch jedes Kunden. Gleichzeitig sollen die Seiten preiswert und schnell realisiert werden. Mit dem “Lean Testing”-Ansatz hat Leankoala eine Test-Methode etabliert, die sowohl effizient als auch kostengünstig ist – das perfekte Werkzeug für Agenturen.

 

 

 

 

MerkenMerken

MerkenMerken

MerkenMerken

Die GlasQgel abonnieren

  • Nur hilfreiche Fachartikel und Interviews
  • Ca. alle 3-4 Wochen ein gut recherchierter Artikel
  • Garantiert keine Werbung
Ich bestätige hiermit, dass ich zukünftig neue Fachartikel der GlasQgel per E-Mail erhalten möchte. Dies kann ich jederzeit per Mail an [email protected] oder per Link am Ende jeder E-Mail widerrufen. Mehr Infos in den Datenschutzbedingungen.