Eigentlich ist Karriereberatung wie Lovoo. Aber ohne Love, stattdessen mit Work.
Ein Interview

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Personalberatung und Onlinedating – passt das zusammen? Auf jeden Fall, findet Stefan Schmidt, Co-Geschäftsführer der Kreativagentur Dieckertschmidt. Für eine aktuelle Recruiting-Kampagne von PERM4 nutzt er diese Analogie. Herausgekommen sind vier plakative Posts, die Tinder & Co. gekonnt mit dem Thema Karriereberatung in Verbindung bringen. Das Resultat: Im Grunde ist Recruiting „wie Parship. Nur ohne Liebe. Dafür mit Geld und Erfolg.“

Mit der Kampagne, die vorerst nur über Sponsored Posts auf Social Media vermarktet wird, sollen vor allem junge Leute auf eine Karriere im Bereich Recruiting aufmerksam gemacht werden.

Im Interview mit HQLabs verrät uns Stefan Schmidt wie die Idee entstanden ist und warum das tägliche Leben die beste Inspirationsquelle für kreative Köpfe ist.

 

Perm4-Kampagne von Dieckertschmidt Parship

 

Anna Schüler, HQLabs: „Wie sind Sie auf die Idee gekommen, Onlinedating und Personalberatung zusammen zu bringen? Bzw. was ist die Verbindung zwischen den beiden Themen?“

Stefan Schmidt, Dieckertschmidt: „Darauf gekommen bin ich durch die Zielgruppe mit der ich spreche. Und das sind junge Leute in ihren Zwanzigern, die wir dafür begeistern wollten doch mal zu überlegen, ob nicht Karriereberatung ein Job für sie wäre. Ich versuche den Leuten immer durch einfache Beispiele zu sagen, was ich anbiete. Was junge Leute gut kennen sind Tinder & Co., damit gehen sie den ganzen Tag um. Und im Grunde genommen ist dieser Service bei dem sie arbeiten können, so simple wie das. Nur, dass es eben nicht um Sex und Liebe geht, sondern um Arbeiten, Geld, Ruhm und Erfolg. Deshalb habe ich diese Analogie gewählt.

Personalberatung ist so simpel wie Tinder. Nur, dass es eben nicht um Sex und Liebe geht, sondern um Arbeiten, Geld, Ruhm und Erfolg.

Anna Schüler: „Die Kampagne ist vorerst auf fünf Monate ausgelegt und wird über Facebook- und LinkedIn ausgespielt. Weshalb haben Sie sich für diese Kanäle entschieden?“

Stefan Schmidt: „Ich glaube, es werden noch andere Kanäle dazu kommen, auch nicht unbedingt nur Onlinekanäle. Aber die beiden Online- bzw. Social Media-Kanäle sind sehr wichtig, da wir dort relativ zielgenau mit den Leuten sprechen können. Also, keine neue Erkenntnis, außer der, dass überhaupt alle Social Media als Kanal benutzen. Aber wir haben eine relativ klare Zielgruppe mit der wir sprechen und die können wir damit gut adressieren.

 

Perm4-Kampagne von Dieckertschmidt Tinder

 

(Denkt kurz nach.) Und dann gibt es noch so etwas content immanentes. Also es ist irgendwie schön, wenn etwas auch tatsächlich auf Social Media stattfindet, wenn es selbst eine Idee von Social Media als Analogie benutzt. Trotzdem funktioniert die Kampagne auch, wenn ich sie als Anzeige produzieren würde.“

Es ist schön, wenn etwas auch tatsächlich auf Social Media stattfindet, wenn es selbst eine Idee von Social Media als Analogie benutzt.

Anna Schüler: „Wie kommt die Kampagne auf dem Markt an? Welche Reaktionen haben Sie bislang auf die „PERM4“-Kampagne erhalten?“

Stefan Schmidt: „Ich kann noch nichts über den Beratermarkt sagen, außer dass es intern sehr beliebt bei den Mitarbeitern von Perm4 ist. Das weiß ich also noch nicht genau, dafür sind wir noch zu kurz unterwegs. Aber was ich durchaus mitkriege ist, dass es in meiner Branche relativ gut ankommt. W&V (Link) hat es am Freitag direkt zur Kreation des Tages gewählt und als solche besprochen. Und Kunden von mir kamen und sagten, sie finden das Design besonders schön und nutzen es als Referenz beim eigenen Briefing, um darauf Bezug zu nehmen zu können. Also scheint die Kampagne ganz gut gelungen zu sein, anhand dessen, was ich als Reaktion spüre.“

 

Perm4-Kampagne von Dieckertschmidt C-date

Perm4-Kampagne von Dieckertschmidt Lovoo

 

Anna Schüler: „Da stimmen wir zu! Deshalb sind wir auch so schnell auf die Kampagne aufmerksam geworden…

Wo holen Sie sich denn Inspirationen für solche Kampagnen, wenn Sie nicht gerade auf Tinder oder Parship unterwegs seid?

Stefan Schmidt: (Lacht.) Zu meiner Tinder-Nichtnutzung sag ich jetzt mal einfach gar nichts…

Die Inspiration zu Kampagnen jeglicher Art kommt immer aus dem Leben. Das ist, glaube ich, das A&O. Ich habe einfach versucht die letzten 30 Jahre mit offenen Augen durch die Welt zu gehen. Ich versuche, die Geschichten, die da draußen sind, zu benutzen, um Menschen zu erzählen worum es eigentlich geht bei einem speziellen Fall. Wie ich schon sagte, ich fange gerne mit „Zum Beispiel…“ an, um Leuten bildhafte Beispiele zu geben. Sie sagen dann: „Ach ja, verstehe. Ich kenne das aus meinem Feld und jetzt hast du mir eine Übertragung geliefert und ich kann das in einem neuen Feld auch kapieren.“ – Dafür liefert das Leben einfach die Vorlagen. Deswegen nicht Werbebücher angucken, sondern rausgehen und den Leuten in der U-Bahn zuhören, mit „normalen“ Menschen zusammen sein, um die besten Referenzen zu finden.

Keine Werbebücher angucken, sondern rausgehen und den Leuten in der U-Bahn zuhören!

Anna Schüler: „Vielen Dank für diesen wertvollen Tipp zum Schluss! Haben Sie noch irgendetwas, dass Sie unbedingt ergänzen möchten?“

Stefan Schmidt: „Ja! Liebe jungen Leute, legt das Tinder weg und redet wieder mit den Menschen. Ich glaube, dass es mit der Liebe dann besser funktioniert.“


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