Die große OMR-Abrechnung: Von Online Marketing und Möchtegern-Rockstars

Ihr konntet in diesem Jahr nicht persönlich auf dem OMR Festival abrocken oder hattet keine Lust die rund 500 Euro für ein Ticket auf den Tisch zu legen? Wie gut, dass wir vor Ort waren und euch alle High- und Lowlights der zwei Messetage zusammengefasst haben.

 

 

Scott Galloways eiskalte Abrechnung und Bibis Beautypalace

Ohne Frage ist Freitag der wichtigere Tag auf dem OMR. Auch in diesem Jahr sprachen ab neun Uhr die großen Redner der Online-Welt vor dem gespannten Publikum. Das einer von diesen Top-Rednern nicht persönlich auf der Bühne stehen konnte (gegen den Wettergott kommt selbst ein Philipp Westermeyer nicht an), tat seinem Auftritt keinen Abbruch: Scott Galloway hat die Bühne ohne Zweifel gerockt! In wenigen Sätzen prophezeite er gehypten Technologien den Tod:

“Chatbots werden überbewertet, Virtual Reality (VR) ist eine Enttäuschung und 3D-Druck ist lächerlich. Die USA haben längst ihren eigenen 3D-Drucker. Er heißt China.”

Auch das darauffolgende Bashing gegen die großen US-Technologie-Konzerne fiel nicht minder düster aus. Denn diese Monopolisten würden, zu Lasten kleinerer Unternehmen, Innovation und Fortschritt verhindern. Eine Entwicklung, die nur Europa noch in den Griff kriegen könne.

“Europa muss das tun, wozu wir nicht fähig waren.”

Generell nahm Galloway in gewohnter Manier die GAFA-Konzerne (Google, Apple, Facebook und Amazon) in die Pflicht. So sei es unverantwortlich, dass Facebook nicht anerkenne eine Media Plattform zu sein – eine Plattform, so der NYU-Professor, die Öl für Fake News sei. Auch Amazon nahm sich der Wissenschaftler zur Brust.

“In den vergangenen drei Monaten hat Amazon seinen Börsenwert um den Gesamtwert von Walmart vergrößert. Trotz der Tatsache, dass Amazon in den vergangenen zehn Jahren 1,4 Milliarden Steuern gezahlt hat und Walmart 64 Milliarden.”

 

 

An dieser Stelle wäre eine Gegenposition der genannten Big Player schon ganz schön gewesen. Auch OMR-Erfinder Philipp Westermeyer, der souverän durch den Tag führte, hob seinen mahnenden Finger, immer zwei Seiten der Medaille zu betrachten. Doch auf starke Gegenmeinungen und handfeste Statements der Big Player mussten OMR-Besucher in diesem Jahr vergebens warten…

 

 

Im Programm des Festivals ging es stattdessen mit Sophia Amoruso weiter, der „Erfinderin“ des Girlboss Hashtags und unserem heimischen Social Media-Star Bibi, die spontan auf die Bühne gerufen wurde (unnötig zu erwähnen, dass zeitgleich ein unangenehmes Fremdschähm-Gefühl im Publikum einsetze). Insgesamt stand der Nachmittag des Festivals im Zeichen der Influencer. Wichtiges Learning, das zwar viele verstanden, aber noch nicht so richtig umsetzt haben, kam von Tobi Pearce, dem Gründer von Sweat:

„We don’t sell products on Social Media. We educate our followers to make them sell our our products.”

Richtig unterhaltsam wurde es dann nochmal, als Tim Urban mit seinen Strichmännchen die Bühne betrat. Seine ehrliche und menschliche Art kam nicht nur beim Offline-Publikum der OMR gut an. Auch online trifft er damit den Zahn der Zeit und macht deutlich, dass Unternehmen im Web offener und emotionaler denn je auftreten müssen, um erfolgreich zu kommunizieren.

“In this age a brand needs a personality.” David Sneddon

 

Die Enttäuschungen des Tages

Den peinlichsten Auftritt des Konferenztages leistete sich Howard Lerman von Yext. Bewaffnet mit zwei Möchtegern-Schauspielern wollte er die Intelligenz hinter neuen Technologien anhand eines kleinen Theaterstücks verdeutlichen. Statt einem Aha-Erlebnis blieb nach rund 30 Minuten jedoch nur ein unangenehmes Gefühl und Gekicher zurück.

Weniger unterhaltsam, dafür umso zäher verliefen die 40 Interview-Minuten mit Zalando Gründer Robert Gentz.

Übrigens: Wer sich nochmal persönlich von den Auftritten überzeugen möchte, kann sich die Konferenz nach wie vor in voller Länge auf YouTube anschauen.

 

 

Ein Thema, dass sich Online Rockstars merken sollten

Natürlich ist das OMR Festival mehr, als ein geballter Konferenzfreitag voller Vorträge. Auch in den drei übrigen Messehallen und auf den zwei kleinen Bühnen werden die wichtigen Themen der Branche und kommende Trends besprochen. Und bei einem Trend waren sich alle einig: Die Ära der Sprachassistenten steht bevor!

“The technology that will change the world, we believe, is voice.” Scott Galloway

“It’s the age of assistance!” David Sneddon

 

Rockt sie denn nun, die Rockstar Messe?

Das OMR Festival ist eine Bühne für all jene, die es nicht auf die echten Bühnen dieser Welt geschafft haben – dieses Konzept haben wir mittlerweile verstanden. Und dieses Konzept wird auch eiskalt durchgezogen. Ein 1A Stimmungsaufbau, Marteria, der in der Mittagspause mal eben auf die Bühne springt und das Mittagstief unterbindet oder Messestände an denen man sich in echter Rockstar-Manier mal eben „für immo“ ein Tattoo stechen lassen kann. Was Z-Promis, wie der Ex-Bachelor, in dieser Szenerie zu suchen haben, bleibt fraglich, gehört aber genauso dazu, wie das Philipp Westermeyer-Bier.

Wenn Steve Jobs sich selbst zu Marke machen kann, kannst du das auch!

Und so ein bisschen schwappt dieses Rockstar-Feeling dann auch über, wenn man neben den wichtigsten Entscheidern und Machern der Branche im Publikum des OMR Festivals sitzt. Wer aufpasst und die Veranstaltung weiterhin ernst nimmt, kann sogar inhaltlich was mitnehmen.

 

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