Corporate Life meets Digital Nomade – Ein Erfahrungs- und Gründungsbericht

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Digitale Nomaden – ein Thema, das uns im Moment gar nicht mehr loslässt und das auch euch brennend zu interessieren scheint. Deshalb widmen wir uns in diesem dritten Teil (hier geht’s zu Teil 1 und Teil 2) erneut den digitalen Wanderarbeitern. Genauer gesagt einer Pionierin in diesem Bereich: Nadja Mütterlein, der Co-Gründerin von Remote Talents und ihren ganz persönlichen Erfahrungen vom Arbeiten auf Achse.

 

Von 0 auf 100 zur Digitalen Nomadin – und das trotz starker Kundennähe

Nadja Mütterlein ist 28 Jahre alt. Nach ihrem Masterstudium hat sie eine Stelle als HR-Business Partnerin bei einem großen Konzern angenommen. In Ihren Tätigkeitsbereich gehörte das gesamte Spektrum der Personalarbeit: von Personalentwicklung und – einstellung bis hin zu disziplinarischen Maßnahmen. Soweit also ein ganz „normaler“ Werdegang…

Das sollte sich ändern, als Nadja im Internet auf ein Remote Programm stieß. Sie fasste spontan den Entschluss, sich darauf zu bewerben – und das obwohl sie in einem Bereich tätig war, der eine starke Kundennähe voraussetzte. Oft verbrachte sie nahezu den ganzen Tag mit Personalgesprächen, Face-to-Face. Wie sollte man so einen Job aus der Ferne ausüben?

„Als ich meinen Führungskräften von meinem Wunsch am Remote Programm teilnehmen zu wollen, erzählte, habe immer damit gerechnet, dass irgendwann jemand sagt, das klappt nicht. Aber alle waren super offen.“

Statt von vorherein auszuschließen, dass Remote Work nicht für sie in Frage kommt, hat sie nach Lösungswegen gesucht und diese mit allen Führungskräften intensiv durchgesprochen. Nach einer sorgfältigen Planungsphase ist sie schließlich Ende Mai 2016 zur Digitalen Nomadin geworden. Inzwischen hat Nadja 18 Länder bereist und dort gearbeitet. Und das in gerade mal einem Jahr. Im Moment lebt sie in Spanien.

 

 

Remote führen – geht das eigentlich?

„Ursprünglich war es geplant, meinen Tätigkeitsbereich runter zu schrauben, damit ich mehr Luft habe mich in der Ferne in die neue Arbeits- und Lebensweise einzuleben“, erinnert sich Nadja. Tatsächlich hatte sie am Ende sogar noch mehr Projekte, die sie on top begleitet hat. Drei Praktikanten hat sie aus der Ferne eingearbeitet und betreut. Remote zu führen und Mitarbeiter nur via Telefon und Email kontaktieren zu können, war dabei eine sehr wertvolle Erfahrung. Denn während Nadja auf den direkten Kontakt verzichten musste, wurde sie auf anderen Ebenen zunehmend sensibler. In Telefongesprächen erkannte sie sofort, wenn etwas nicht stimmte.

Auch das Feedback der Praktikanten fiel entsprechend positiv aus. Dadurch, dass Nadja nicht jederzeit für Fragen zur Verfügung stand, mussten sie zwangsläufig selbstständig agieren – mit positivem Erfolg. Denn durch den großen Verantwortungsbereich durchlebten die Praktikanten in den vier Monaten eine starke Entwicklung. Nadja gab die Spielregeln vor, „spielen“ und aktiv werden mussten die Mitarbeiter dann selbstständig.

 

„Meine Erfahrungen waren so gut, dass ich einfach gründen MUSSTE!“

Schon nach den ersten Tagen in der Ferne war Nadja total fasziniert von der Community vor Ort. „Man kann sich gar nicht vorstellen, wie vielfältig die Möglichkeiten sind, bis man es selbst erlebt hat“, erinnert sie sich. Die Impulse, die durch interessante Vorträge oder verschiedenen Workshops gegeben werden, seien unglaublich wertvoll. Vor allem an den Hotspots der digitalen Nomaden, wie z.B. in Chiang Mai, ballt sich das Wissen aus den unterschiedlichsten Bereichen enorm. Nadja vertritt die Überzeugung: „Das muss man einfach selbst erleben!“.

Ihre Erfahrungen waren so gut, dass sie schnell den Entschluss fasste, ein Unternehmen zu gründen. Einerseits um anderen die Möglichkeit zu bieten, das selbe zu erleben und gleichzeitig auch, um Unternehmen ein einzigartiges Personalinstrument an die Hand zu geben. Nach gerade einmal vier Monaten als digitale Nomadin gründete sie Remote Talents. Selbst die Gründung, wie sollte es anders sein, führte sie remote durch. Zusammen mit ihrem Businesspartner entwickelte sie ein Konzept, dass es vorrangig Festangestellten ermöglichen soll, aus der Ferne zu arbeiten und zu wachsen.

 

Nomade Life Meets Corporate

Die Idee von Remote Talents ist schnell erklärt: Teilnehmer des Programms arbeiten sechs Monate lang remote und entdecken zusammen mit einer Community sechs verschiedene Orte bzw. Länder. Um die Organisation der „Reise“, die Unterkünfte und Co Working-Spaces kümmert sich das Team von Remote Talents. Vor Ort steht den Talents ein Community Manager mit Rat und Tat zu Seite. Bewerben kann sich jeder, der seine Tätigkeit auch aus der Ferne ausüben kann. Natürlich muss man dazu nicht festangestellt sein.

Vor allem sind es jedoch Angestellte und Unternehmen, die Nadja von ihrer Idee und dem digitalen Arbeiten überzeugen möchte. Denn viel wichtiger als der finanzielle Erfolg, ist es ihr, die Arbeitskultur in Deutschland zu verändern und weiter zu entwickeln. Remote Talents leistet Pionierarbeit und möchte gezielt Unternehmen im Digitalen begleiten und voran bringen.

 

 

In diesem Bereich gibt es (noch) keine Best Practice, wir brauchen eine Next Practice

Nadja hat ein zentrales Problem in der deutschen Arbeitswelt erkannt: Zwar reden viele von Veränderungen innerhalb der Arbeitskultur und wissen zumeist auch, dass sie dieser Entwicklung Rechnung tragen müssten, den Mut, diesen Veränderungsprozess anzustoßen, haben sie jedoch nicht.

Dabei ist es doch recht logisch, dass qualifizierte Mitarbeiter nicht zwingend vor der eigenen Haustür zu finden sind. Die IT-Branche ist ein hervorragendes Beispiel für das Problem: Weshalb sollte ein IT-ler, der 1:1 auf die ausgeschriebene Stelle passt, nur deshalb nicht angestellt werden, weil er woanders wohnt? Vor allem, wenn der Job auch remote erledigt werden könnte und der Sitz der Firmenzentrale so gar nicht in sein Lebensmodell passt?

„Arbeitgeber fürchten Unsicherheit.“ 

Mit dieser These bringt Nadja es auf den Punkt. Denn Remote Work ist ein völlig neues Arbeitsmodell, gerade für Arbeitgeber. Während es meist Freelancer sind, die von unterwegs arbeiten, gibt es für Festangestellte keine Best Practice an der man sich orientieren könnte. Die Unternehmen müssen den Mut aufbringen, etwas Neues und Unbekanntes zu wagen und aus der eigenen Erfahrungen lernen. Das kostet erst einmal Überwindung.

„Travelling and working remotely: When you live your life this way, personal development doesn’t come from books or seminars, it comes from every moment of your experience!“

 

Und was hab’ ich davon?

Daneben ist für viele Arbeitgeber gar nicht klar, was es eigentlich bringt, den Mitarbeiter zum Arbeiten in die Ferne zu schicken. Neben der individuellen Entwicklung des jeweiligen Arbeitnehmers, würden sie die positiven Auswirkungen auf das eigene Unternehmen teilweise nur schwer erkennen, so Nadja. Aber nur mit dem Input, den der Digitale Nomade von außen nach innen trägt, könne sich etwas an der eigenen Unternehmenskultur verändern.

„Was passiert denn, wenn der eigene Mitarbeiter vom anderen Ende der Welt ins Telefonmeeting geht? Auch andere werden dazu motiviert etwas Neues zu wagen – das nächste Telefonat führen sie vielleicht auch aus dem Home Office.“

Die positiven Erfahrungen des digitalen Mitarbeiters werden in das Unternehmen getragen und stoßen Schritt für Schritt eine Wandlung an.

„Wir wollen Kulturveränderung anstoßen und dafür muss sich grundsätzlich ersteinmal Mindset in den Unternehmen ändern. Das zu schaffen ist kein Leichtes, aber mit einer Inititative wie Remote Talents können Unternehmen den ersten großen Schritt dazu hin machen.“

 

„Was, wenn auf einmal alle remote arbeiten wollen?“

Eine zweite Hürde, der Nadja auffallend oft begegnet, ist die Angst, dass ein Pilotversuch zum remote Arbeiten einen Schneeballeffekt im Unternehmen auslöst und plötzlich kein Mitarbeiter mehr bereit ist, im Büro zu arbeiten. Sie ist sich sicher: „Das wollen gar nicht alle.“

Tatsächlich sei Remote Working ein Modell, dass nicht für Jeden in Frage kommt. Denn wer komplett unabhängig arbeitet und seine Arbeitszeit selbst einteilt, muss ein kleines Organisationstalent sein. „Man muss super selbstorganisiert und diszipliniert sein“, das hat auch Nadja schnell erkannt. Man würde zum Intrapreneur, zum Unternehmer im Unternehmen.

Schließlich ist es nicht immer leicht Freizeitgestaltung, die Organisation des täglichen „normalen“ Lebens und remote Arbeit in einem neuen Land unter einen Hut zu bekommen. Man muss sich selbst strukturieren und auch in mancher Hinsicht disziplinieren. Man muss sich schließlich jedes Mal aufs Neue einfinden. Dies ist eine Herausforderung, der nicht jeder gewachsen ist. Der Eindruck nach aussen ist allerdings ein ganz anderer: „Und, wie ist es so im Urlaub?“, ist eine der häufigsten Fragen, die sie gestellt bekommt.“

 

 

Digitale Nomaden leiden häufig an Einsamkeit

„Digitale Nomaden – das sind Personen, die ortsunabhängig und selbstbestimmt entscheiden wollen, wo sie arbeiten und leben möchten. Denen häufg 30 Urlaubstage nicht ausreichen, um zu reisen Dabei ist längst nicht jeder digitale Nomade non stop on the road und reist von einem Land zum anderen. Es gibt durchaus auch digitale Nomaden, die ortsunabhängig arbeiten und nicht dabei reisen“, erklärt Nadja.

Daher schickt Remote Talents eine Gruppe von digitalen Nomaden auf berufliche Entdeckungsreise, welche das Thema Personalentwicklung auf eine ganz neue Stufe hebt.. Die Community soll eine Konstante bilden, die Sicherheit schafft und dafür sorgt, dass sich jeder Teilnehmer wohl fühlt. Die Teilnehmer sind Freunde, Familie und Kollegen zugleich.

Neben der gemeinsamen Basis, die diese Community bildet, ist sie auch Inspirationsquelle und ein weiterer Ort des Austausches. Die Gruppe lebt von ihren Teilnehmern. Nicht zuletzt deshalb werden sie „Talents“ genannt. Auf der gemeinsamen Reise geht es um Austausch, Skillsharing und gegenseitiges Wachsen.

 

Weitere Erfahrungen aus dem Leben einer Digitalen Nomadin findet ihr auch auf dem Blog von Nadja und regelmäßig hier, auf der GlasQgel.

 


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Es gibt bisher einen Kommentar

  • Antje Hagedorn

    Moin moin,
    das hört sich toll an, da kann so Vieles vereint werden. Wir sind ein IT Anbieter für das Rundumpaket an Unternehmenssoftware mit 360° Blick in Echtzeit, der schon seit über 9 Jahren Programme aus der Cloud anbietet um genau da so flexibel und unabhängig arbeiten zu können. Evtl. könnte man da ja Synergieen knüpfen…

    Herzliche Grüße, Antje Hagedorn

    Antworten

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